Geschichte des Klosters


alte Ansicht des Klosters



In Nachfolge bereits vor 1302 in Breisach lebender Franziskaner-Terziaren* stiftete der Breisacher Patrizier Eberhard Veschelin zusammen mit seiner Tochter Anna Rutz von Rufach und seiner mutmaßlichen weiteren Tochter Mechthild von Bolsenheim 1302 durch den Erwerb der Terziaren-Häuser auf der Ostseite des Breisacher Münsterbergs ein Franziskanerkloster. Die Klostergebäude wurden 1325, die der heiligen Jungfrau Maria geweihte Kirche 1332 vollendet.

 

In den ersten Jahrunderts seines Bestehens scheint das Kloster über keinen größeren Grund- und Vermögensbesitz verfügt zu haben. Allerdings deutet die Bestellung von zwei städtischen Pflegern für das Kloster auf gewisse Einnahmen und auf eine starke Abhängigkeit der ´Franziskaner von der Stadt Breisach hin, welche sich auch in der Ablieferung des Klosterarchivs 1548 an die Stadt widerspiegelt. Es ist heute jedoch infolge der Stadtzerstörungen von 1793 und 1945 nicht mehr erhalten. Für das Kloster lassen sich erst im 15./16. Jahrhundert Grundbesitz und Zinseinnahmen in Breisach, im 17. Jahrhundert auch auf der benachbarten Gemarkung Achkarren nachweisen.

 

Zwischen 1550 und 1613 war der Konvent verschuldet und bestand nur noch aus dem Guardian (Vorsteher). Die Baulichkeiten verfielen und 1570 stürzte sogar ein Teil der Gebäude ein. 1553 und 1560 befahl die vorderösterreichische Regierung daher die Aufhebung des personell unterbesetzten Klosters und seine Umwandlung in ein Spital, umgesetzt wurde diese Anordnung jedoch nicht. 1642 - 1654 beherbergte das Kloster auch die Breisacher Augustinermönche, die ihre Gebäude der neuen protestantischen Gemeinde überlassen mußten. Erst nach dem 30-jährigen Krieg vebesserte sich die finanzielle Situatíon der Franziskaner. Geld- und Grundtücksgeschöfte sanierten die bis dato prekäre Finanzlage. 1655 und 1673 wurden die baufällig gewordenen Gebäude mit Spenden aud der Bürgerschaft wiederhergestellt. 1727 gestaltete die vorderösterreichische Regierung und Kammer eine weitere Geldsammlung zur Renovierung.

 

Was die Bedeutung des Konvents für die Stadt anbelangt, so gründete 1504 Guardian Nicolaus Müller aus München eine Sebastians-Bruderschaft, welche 1761 ein Altargemälde des bekannten Freiburger Barockmalers Johann Pfunner stiftete. Die Bruderschaft wurde 1784 aufgelöst. Zeitweilig schienen die Franziskaner auch den Pfarrdienst versehen zu haben. Außerdem erteilten sie Unterricht in Sprachen, Theologie, Philosophie und Musik.

 

1763 wurde schließlich ein Komödienhaus erbaut und von den Klosterinsassen für die Öffentlichkeit bis in die 1780er Jahre bespielt. Die Klosterschule wurde im 18. Jahrhundert zum Gymnasium erweitert. Zu dessen berühmtesten Schülern zählte von 1779 bis 1783 Bernhard Katzenschwanz (Bernard Galura) aus Herbolzheim, später Münsterpfarrer in Freiburg, Förderer des Schulwesen in Vorderösterreich und Verfasser zahlreicher theologischer Werke. Nach Regierungs- und Seelsorgeämtern in Günzburg, Innsbruck und Feldkirch/Vorarlberg wurde er 1829 Fürstbischof von Brixen, wo er 1856 starb.

 

1723 zählte das Kloster mit zwei Priestern, jeweils einem Kleriker und einem Laienbruder zu den kleinsten der oberdeutschen Minoriten-Provinz; 1781 umfasste es hingegen wieder 14 Patres und vier Laienbrüder. Kaiser Joseph II. löste das Breisacher Franziskanerkloster 1782 von der oberdeutschen Franziskanerprovinz mit dem Ziel, eine eigene österreichische Provinz zu schaffen.

 

Die Klosteranlage wurde vom 16. - 18. Jahrhundert mehrfach renoviert. Die Kirche wies zuletzt außer dem Hauptaltar fünf Nebenaltäre, farbige Glasfenster und einen bemalten Sternenhimmel auf. Sie war zudem Grablege vornehmer Breisacher Familien ( u. a. Aescher, von Ambringen, von Bettendorf, von Binningen, von Falkenstein, Keim, von Pforr, von Prasberg, zem Rust), sowie der Überlieferung nach der Grafen von Pfirt. In der 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts fanden hier auch französiche Offiziere ihre letzte Ruhestatt.

 

Bei der Stadtzerstörung durch französisches Bombardement im September 1793 wurden die Klosteranlagen stark zerstört, so daß die vorderösterreichische Regierung die heimatlos gewordenen Franziskaner mit einer Pension abfand. Das Klostervermögen ging auf den Breisgauischen Relligionsfond über. Die erhalten gebliebenen "Pretiosen und Kirchengerätschaften" wurden 1798 verkauft. Die Ruinen des Klosters wurden 1820 abgerissen und auf dem Areal ein Amtshaus und ein Gefängnis errichtet. Heute sind deshalb nur noch wenige Säulen- und Mauerreste vorhanden.

 

Autor: Uwe Fahrer

     

     * Dritte Orden sind christliche Gemeinschaften, die jeweils gemeinsam mit einem Ordenszweig für Männer (erster Orden) und einem für

       Nonnen (zweiter Orden) eine Ordensfamilie bilden. Ihre Mitglieder werden auch Terziaren oder Terziarier genannt.


 

 

 

 

 

 

 

 

 

     

      Blick in Richtung Eckartsberg